Samstag, 22.03.2003, 19 Uhr: Die Pforten zum Rocktempel in Riedholz werden geöffnet, und eine gewaltige Menschenmenge bahnt sich den Weg in die Halle. Es dauert gut und gerne eine halbe Stunde, bis man den von Discoeffekten und UV-Licht durchströmten Eingangsraum erreicht, so gross ist der Ansturm auf die letzten Abendkassentickets. Die Halle füllt sich, Scheinwerfer erhellten den Bühnen- und Barbereich und Peace-Plakate schmücken beide Seiten der Bühne und erinnern daran, dass dem fröhlichen Anlass in Riedholz traurige Entscheide der selbsternannten Weltpolizei USA vorausgingen. Anyway, die besten Plätze werden angepeilt, gebanntes Warten folgt.
20 Uhr: Platin eröffnet den Anlass. Einheimischer Pop und Rock über Liebe, Fernweh und gegen Gewalt. Ungeschminkt. Ehrlich. Das Publikum erwacht sofort, zollt der Formation Applaus, schwenkende Arme, Pfiffe, Feuerzeugflammen (dem Vivian-Fanclub sei dank) und singt den Refrain zum letzten Song „Teddybär" gleich selbst.
Und dann Slimboy. Nach einigen Konzerten ohne grossen Zuschaueraufmarsch trifft er endlich wieder auf eine volle Halle und dankt den Zuschauern mit extrem guter Laune. Wie er sich dem Posing hingibt, mit seiner Zunge die stickige Luft in der Halle durchpflügt oder mit weit aufgesperrtem Rachen wie ein Walfisch Plankton filtert, ist schlicht fabelhaft. Bei Texas scheint die anonyme Masse, die dem Baslern gegenüber steht, zu explodieren. Das Publikum ist aus dem Häuschen, Joel Bader hat es in der Hand und lässt es nicht mehr los. Er will Stinkefinger sehen, will die Bretter gar nicht mehr verlassen und liegt nach dem Konzert seinem gitarrespielenden Gefährten Christoph in den Armen- „so gail".
Es wird zunehmend heisser in der Halle und die Liter Schweiss, die fliessen, sind an der Bar nicht wieder wettzumachen. Vivian aus Zell (Luzern) betritt die Bühne. Wer Vivian auf der letztjährigen Tour begegnete, erwartete melodiöse Radio-Popsongs, was folgte ist aber eine Rockshow vom Feinsten. Da Vivian ihr CD-Release auf diesen Frühling ankündigte, darf man gespannt sein, was an neuem Songmaterial vorhanden ist. Der zwischenzeitliche Ausfall des Keyboards wäre ohne die Bemerkung von Roger Vivian wohl gar nicht bemerkt worden, so eindrücklich spielen Vivian ihr Set. „The only one" wird bis in die hintersten Reihen mitgesungen, bei Songs wie „Alive" oder „Scars" müssen die Organisatoren um die Robustheit der Bühnenbretter bangen, und an vorderster Front wird Mineralwasser verteilt, um die heisse Zuschauermenge abzukühlen.
Dann beginnt das gespannte Warten auf Plankton. Die ersten Nightbuses verlassen Riedholz überfüllt, die Bar wird zum Mittelpunkt des Geschehens und die Grossleinwand appeliert munter an den Frieden und lobt die zahlreichen Sponsoren. Und dann kommen die Winterthurer doch noch. Die Band spielt ihr Set vor halbleerer Halle keineswegs halbherzig durch- Hut ab. Der grösste Wurf der Band „Happy end" erliegt angesichts der leerer werdenden Halle einer gewissen Ironie, trotzdem wären einige Jugendliche am liebsten auf die Bühne gesprungen, Alkoholeinfluss, Gitterabsperrung und Sicherheitspersonal verhindern jedoch das Unterfangen. Man nehme VIVIAN, setze die Buchstaben des Wortes in die umgekehrte Reihenfolge und streiche die letzten zwei. Oder einfacher: Man ergötze sich an der kreativen Adern des Plankton-Drummers Matete, der die Gunst der Stunde nutzte und die Szene kurzerhand skizzierte (Schwarzstift auf Papier, Hochformat, ungegenständlich, einfarbig, frei-handschriftlich-offen, Preis auf Anfrage).
Der Bitte beim Refrain des Plankton-Openers „Ströi mir chli Sand i d’Auge, i bruche jetz chli schlaf" scheint auch nach den Gigs niemand zu entsprechen, die Party dauert schliesslich noch bis 4 Uhr, die drei DJ’s befriedigen auch die Bedürfnisse jener, welche nach 4 Konzerten immer noch auf den Beinen stehen, während sich die Organisatoren auf eine lange Nacht des Aufräumens gefasst machen, hat sich doch auf 11 Uhr bereits wieder der Männerchor in der Mehrzweckhalle Riedholz angemeldet.
06.01.2007
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